Burg Brandenstein

Burg Brandenstein, 36381 Schlüchtern - Tel. 06661 3888 oder info@burg-brandenstein.de

- Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 10. September - Mehr hier...

Bewohner

Neben dem geschichtlichen Abriss unter „Geschichte“ soll hier das Augenmerk auf die tatsächlichen Bewohner der Burganlage gelegt werden.

Die ersten bekannten Mitglieder der Familie und wohl auch Bewohner sind Hermann (1278) und Konrad von Brandenstein (1299), deren Namen sich auf Urkunden finden. Die erste Familie von Brandenstein dürfte wohl die Burg gegen Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut haben. Nach 1306 erlischt dieser Familienname in der Region. Danach werden für das Jahr 1307 Gebrüder Küchenmeister genannt. Dann sind für lange Zeit keine Namen von direkten Bewohnern mehr bekannt; die Burg ist 1316 von Ludwig von Rieneck d.J. an seinen Neffen Ulrich von Hanau übergeben worden, der hier sicherlich auch Burgmannen eingesetzt hat. Nach 1375 wird für Jahrzehnte die Burg von Hanau an den Abt von Schlüchtern verpfändet.

1424 erscheint ein Mangold von Eberstein, der die Burg unter Auflagen von Hanau zum Lehen bekam. Er stirbt 1448. Berühmtheit erlangt dann sein Urenkel Mangold II., der 1519 einer Nürnberger Kaufmannswitwe namens Agathe Odheimer und deren Tochter Helene ritterlichen Schutz auf der Burg gewährt und in deren Namen die „Ebersteiner bzw. Brandensteiner Fehde“ gegen die Stadt Nürnberg führt. Während dieser Zeit weilen zahlreiche weitere Nürnberger Bürger hier auf der Burg, allerdings unfreiwillig, denn sie werden festgehalten und erst gegen Lösegeld wieder freigelassen. 1522 wird die Burg in Vollstreckung der kaiserlichen Acht eingenommen und teilweise zerstört. Mangold wird vertrieben und stirbt noch im selben Jahr bei Kämpfen gegen den Erzbischof von Trier.

Erwähnt sei noch Ottilie von Eberstein, die 1480 Ulrich I. von Hutten heiratet. Die beiden sind die Eltern des bekannten Dichters und Humanisten Ulrich von Hutten, der 1488 auf der nahen Burg Steckelberg geboren wird. Weitere Bewohner werden in den folgenden Jahren kaum genannt, erst als 1866 bis 1875 die Burg als preußische Staatsdomäme verpachtet ist, erscheinen die Namen des Schlüchterners Otto Köhler als Pächter und des Verwalters Friedrich Henkel. Nach Verkauf und Zerstückelung des Besitzes nach dem Bau der Eisenbahn scheint die Burg einige Jahre unbewohnt gewesen zu sein, dann kauft 1878 Graf Heinrich zu Stolberg-Wernigerode den „Hof Brandenstein“, übergibt aber den Besitz schon 1887 an einen Freund, den preußischen Offizier Reinhard Scheffer (ab 1906 Freiherr v. Scheffer-Boyadel).

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General Gustav von Brandenstein und Gemahlin Mathilde

Nach allerlei Umbauten und Renovierungen verkauft dieser 1895 die Burg an den württembergischen General Gustav von Brandenstein und dessen Gemahlin Mathilde, geborene von Siebold, die im Frühjahr 1896 die Anlage beziehen.

Nach dem bald aufeinander folgenden Tod der Eltern 1905/06 übernimmt Sohn Alexander von Brandenstein den Besitz. Im Jahre 1909 heiratet er Hella Gräfin Zeppelin, die einzige Tochter des berühmten Luftschiffkonstrukteurs Ferdinand Graf von Zeppelin. König Wilhelm II. von Württemberg erhebt Alexander von Brandenstein diesbezüglich in den Grafenstand und erlaubt die Führung des Doppelnamens von Brandenstein-Zeppelin.

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Ferdinand Graf Zeppelin, Gemahlin, Schwiegersohn und Tochter

Am 3. Mai 1910 wird als erstes von fünf Kindern Isa von Brandenstein, allerdings in Berlin, wo der Vater in militärischen Diensten des Kaisers steht. Im Juni 1911 wird die zweite Tochter Alexa in Stuttgart und 1912 Sohn Ferdinand, dann wieder in Berlin, geboren. 1915 wird wieder in Stuttgart der zweite Sohn Alexander geboren.1920 folgt als 5. Kind Elisabeth, die in Mittelbiberach geboren wurde. (1942 heiratet Alexa Richard Freiherr Koenig von und zu Warthausen und Elisabeth Dr. med. Siegfried Veil. Im Herbst1918 zieht die Familie zunächst auf den ererbten Besitz Mittelbiberach in Oberschwaben um. Die Burg wird von Personal und Mietern bewohnt, Familie von Brandenstein nutzt sie vor allem in Ferienzeiten.

1936 wird im Zuge diverser Renovierungsarbeiten auch der bis dahin als Holzstall und Waschküche genutzte „Südbau“ zu Wohnzwecken eingerichtet. Im Herbst desselben Jahres muss die Burg dann im Rahmen eines Manövers der Wehrmacht die Einquartierung von Mitgliedern des Stabes von General von Blomberg verkraften.

Graf von Brandenstein wird 1940 wieder zum Militär einberufen und ist unter anderem beim Chef der Militärverwaltung von Paris und beim Befehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark tätig. 1943 wird er endgültig aus dem Militärdienst entlassen.

Die Söhne Alexander und Ferdinand erleben beide den Einmarsch in Russland, Alexander wird verwundet noch aus Stalingrad ausgeflogen. Im Herbst 1944 fällt Ferdinand von Brandenstein nahe der russisch-ostpreußischen Grenze.

Im Verlauf des II. Weltkrieges werden auf der Burg bis zu 10 Flüchtlinge aus der Familie und aus dem Frankfurter Raum einquartiert, bei Fliegeralarm wird der große Gewölbekeller zu Luftschutzzwecken auch von Bewohnern der Umgegend genutzt. Genannt seien hier nur die Familie Anthony aus Offenbach, deren Kinder noch heute Kontakt zur Burg halten und Verwandte aus der Familie von Brandenstein. Deren Vater, der ebenfalls Alexander heißt, hat eine Kleiderfabrikation ins Leben gerufen, was ihm auch den Beinamen „Stoffgraf“ einbringt.
Sohn Gerd feiert noch 1975 seine Hochzeit auf der Burg. Am 21. Mai 2011 findet hier die Hochzeit seiner Tochter Felicitas mit Moritz Graf von Stolberg-Wernigerode statt, einem Nachfahren des o.g. früheren Besitzers Graf Heinrich zu Stolberg-Wernigerode.

grabstein-kukuleIm Zug der Vertreibungen nach dem II. Weltkrieg kommt auch ein Förster Karl Kukule mit seiner Familie aus Liptal in Mähren und lebt und arbeitet bis 1951 hier auf der Burg. Er verstarb 1956 nur 52-jährig, später wird sein Grabstein nahe der Burg im Wald aufgestellt.

Graf von Brandenstein wird nach dem Krieg wegen Generalstabstätigkeit von den US-Streitkräften längere Zeit bis zu seiner Rehabilitierung 1946 interniert. Am 28. August 1949 stirbt Alexander Graf von Brandenstein-Zeppelin an den Folgen eines Schlaganfalls auf der Burg und wird in Elm an der Kirche beigesetzt. Sohn Alexander übernimmt nun den Besitz Mittelbiberach.

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Hella Gräfin von Brandenstein-Zeppelin

Gräfin Hella von Brandenstein-Zeppelin und Tochter Isa, die in Geisenheim eine Ausbildung zu Gartenbauinspektorin absolviert hat, ziehen am 25. November 1949 dann endgültig auf der Burg ein. Eine Vielzahl von Neuerungen soll nun in Folge das Leben auf der Burg erleichtern, die Versorgung sichern und die Bewirtschaftung von Wald und Obsthang intensivieren.Hella Gräfin von Brandenstein-Zeppelin stirbt 88-jährig am 6. Dezember 1967 auf der Burg und wird ebenfalls in Elm an der Kirche beigesetzt.

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Isa von Brandenstein

Isa von Brandenstein lebt nun überwiegend alleine auf der Burg und bewirtschaftet Wald, Obstanlagen und den weiteren Besitz. 1970 hat sie nach der Stilllegung der Obstplantage das Holzgerätemuseum als Sammlung historischer hölzerner Gegenstände und Werkzeuge – sozusagen zum 75. Jubiläum der Familie auf der Burg – eröffnet.

1978 bis 1980 lebt ihr Neffe Roy von Koenig-Warthausen als studierter Forstmann und seine junge Familie mit auf der Burg, nach dem er schon große Teile seine Kindheit zwischen 1949 – 61 hier verbracht hatte. 1983 ziehen der dritte Sohn des 1979 verstorbenen Alexander Graf von Brandenstein Constantin und seine Frau Ameli, geborene Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg als „4. Generation“ auf der Burg ein.

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Constantin und Ameli von Brandenstein-Zeppelin

Ab 1991 baut Constantin von Brandenstein eine Gruppe des Malteser Hilfsdienstes in Schlüchtern auf, nachdem seine Frau Ameli schon zuvor Diozesanoberin für die Malteser im Bistum Fulda geworden ist. Seit 1992 ist Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin, der in München, Wien und Frankfurt Jura und Wirtschaftswissenschaften studiert hat Präsident des Malteser Hilfsdienstes auf Bundesebene.

1995 wird dann das 100. Jubiläum der Familie von Brandenstein auf Burg Brandenstein gefeiert.

Am 14.April 1997 verstirbt die langjährige Burgherrin Isa von Brandenstein nach kurzer Krankheit, nur wenige Tage vor ihrem 87. Geburtstag. Auch Sie wird unter großer öffentlicher Anteilnahme im Familiengrab an der Elmer Kirche beigesetzt.

Im Sommer 2003 wird die silberne Hochzeit von Ameli und Constantin von Brandenstein mit großer Beteiligung der Öffentlichkeit im Burghof gefeiert. Zugleich werden 20 Jahre Wohnsitz auf der Burg gefeiert. Der 100. Geburtstag von Isa von Brandenstein wird im Jahre 2010 ebenfalls feierlich begangen. Für eine Präsentation über ihr Lebenswerk wird erstmals der neu hergerichtete Saal im Gewölbekeller der Burg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Burgvogt Uwe Kretschmann

Seit dem Sommer 1996 ist der Dipl.-Ing. für Landespflege, Fachbereich Landschaftsökologie, Uwe Kretschmann auf der Burg wohnhaft und als „Burgvogt“ hausmeisterlich in Hof, Garten und Museen tätig. Der neue „Burgvogt“ übernimmt nun weitere Aufgaben, wie die Betreuung des Holzgerätemuseums, später auch der Siebhold-Sammlung und entwickelt weiterführende Angebote zu alten Handwerks- und Haushaltstätigkeiten: im Laufe der Jahre wird die Obstanlage extensiv weiter bewirtschaftet, eine Ziegenherde zur Landschaftspflege angeschafft, u.a. Zaunflecht- und Bierbrau-Seminare abgehalten und den der Außenbereich der Burg für eine Vielzahl von Gruppen – von Kindergeburtstagen bis zu Betriebsausflügen – geöffnet.

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Hochzeit Anette und Uwe Kretschmann

Am 22. August 1998 heiratet er Anette Dissel, geborene Sperzel, Erzieherin und Kindergartenleitern in Schlüchtern. Sie leben nun zusammen mit deren Tochter Sarah, geboren am 23.07.1985, auf der Burg. Am 11. Mai 1999 wird ihnen der erste Sohn Bernhard geboren, ihm folgt am 12. November 2002 Sohn Leonhard.

 

 

Übergabe des Umweltpreises an Burgvogt Uwe Kretschmann durch Landrat Eyerkaufer

Für die unter dem Titel „Historisches Leben, Arbeiten und Genießen auf Burg Brandenstein“ zusammengefassten Leistungen wird im Jahre 2000 der 2. Förderpreis für Hessische Heimatgeschichte und 2002 der Umweltpreis des Main-Kinzig-Kreises verliehen.“