Burg Brandenstein

Burg Brandenstein, 36381 Schlüchtern - Tel. 06661 3888 oder info@burg-brandenstein.de

- Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 10. September - Mehr hier...

Garten & Landschaft

Die Umgebung

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Orchidee

Am Burgberg des Brandensteins hat sich aufgrund der Steilheit und der Kargheit des Muschelkalkuntergrundes eine naturnahe harmonische Landschaft mit einer Vielzahl von Elementen erhalten, die Zeugen historischer Landnutzungen darstellen. Hierzu werden auch lehrreiche Exkursionen unter kundiger Führung angeboten

Wald

Drei Seiten des Burgberges sind heute wieder mit einem artenreichen Laubwald bestanden, nachdem der nahe der schon 995 erwähnten Ortschaft Elm liegende Berg bestimmt ein gutes Jahrtausend waldfrei gewesen war. Der Verbiss durch das Weidevieh der ortsansässigen Bauern und die Nutzung von Bau-, Werk- und Brennholz dürfte den empfindlichen ursprünglichen Buchenwald sicher schon bald nach der Besiedelung der Region weit zurückgedrängt haben.

Der heutige Artenreichtum der Gehölze ist überraschend, wachsen hier doch neben der dominierenden Buche viele Eschen, Feld-, Spitz- und Bergahorn, Hainbuchen,Wildkirschen und auch die – ökonomisch wie ökologisch – besonders wertvollen Seltenheiten Elsbeere und Mehlbeere. Der uralte Ortsname „Elm“ weist auch auf die – trotz Ulmensterben zu Beginn der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts – wieder gut vertretene Berg-Ulme hin. Neben Seidelbast finden sich eine ganze Reihe von Waldorchideen und andere seltene Pflanzen in den Wäldern.

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Schild am Gehölzlehrpfad

Entlang der Auffahrt zur Burg ist vor Jahren ein Gehölz-Lehrpfad entstanden, bei dem mit deutschen und lateinischen Namen auf die außerordentliche Vielfalt der vorwiegend natürlich aufwachsenden baum- und strauchartigen Gehölze hingewiesen wird.

Hutebäume

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Alte Hute-Buche

Eine ganze Reihe uralter – ehemals freistehender – Hutebuchen kann man auch heute noch am Burgberg und der näheren Umgebung wie am Ebertsberg und beim Habertshof finden. Einzelne Überständer hatte man nämlich als geschützte Bäume belassen, so dass das Weidevieh bei Regen oder Mittagssonne in deren Schutz und Schatten ruhen konnte.

Auch dienten die im Herbst anfallend Buckeckern den Weideschweinen als Mastfutter. Noch heute bezeichnen die Forstleute ein Jahr mit besonders starkem Bucheckernbehang als „Mastjahr“. Die abenteuerlich verwachsenen Wuchsformen – mit Knollen und Buckeln – vieler Hutebäume gehen oftmals auch auf absichtlich abgebrochene oder abgesägte Äste zurück, die unerlaubter Weise als Brennholz oder, wenn sie noch belaubt waren als Futter für das hungrige Vieh allen voran Ziegen dienen mussten.

Kopfhainbuchen

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Schnitt einer Kopfhainbuche

Eine besondere Kulturform der Hainbuche stellte früher die Schneitelung als Kopfbaum dar.
Geschützt vor den hungrigen Mäulern des Weideviehs wurden die Bäume unter Schutz als Hochstämme gezogen. In mehrjährigem Turnus wurden alle Äste abgeschlagen, in Trocken- und Notzeiten konnte man etwa das Laub dem Vieh verfüttern, das übrigbleibende Reisig wurde als Brennholz verwendet. Bis in das Mittelalter hinein soll man auch noch systematisch „Laubheu“ gesammelt haben bis diese altertümliche Tradition von der intensiveren Grasheuwirtschaft abgelöst wurde.

Bald nach dem II. Weltkrieg wurde diese Nutzungsform aber dann endgültig eingestellt. Aus Gründen des Naturschutzes werden in der Elmer Gemarkung aber eine ganze Reihe dieser alten Kopfhainbuchen regelmäßig freigestellt und gepflegt. Allerdings nur auf den Weiden der Burg werden neu hergerichtete Kopfbäume, auch anderer Baumarten, wieder im belaubten Zustand geschnitten, um in trockenen Spätsommern zusätzliches Futter für die Ziegenherde zu gewinnen. Als Nebeneffekt wird eine uralte Kulturform erhalten und dem weiteren Zuwachsen des Südhanges Einhalt geboten.

Weinbau

Noch über das Mittelalter hinaus muss in der Region um Schlüchtern eine rege Weinbautätigkeit geherrscht haben. Relativ kleinflächige, südexponierte Steilhanglagen heißen oftmals heute noch „Weinberg“, so auch unweit der Burg am sogenannten „Fronweinberg“.

Der Bedarf an Wein war damals so groß, dass etwa das Kloster Schlüchtern alljährlich mit einer großangelegten „Weinfuhre“ durch fronpflichtige Bauern zusätzlich noch weitere Mengen an „fränkischem“ Wein in das Gebiet holen ließ. Mit der allgemeinen Klimaverschlechterung soll im Verlaufe des 30-jährigen Krieges der Weinbau dann ganz aus der Region verschwunden sein. Aber noch heute stehen an der Burgmauer im „Rebengärtchen“ zwei über 100-jährige Weinstöcke.

Streuobst

Ab dem 19. Jahrhundert wurden aber vermehrt Streuobstbestände angelegt, vorwiegend mit Apfel-, Birn-, Kirsch-, Zwetschgen- und manchmal auch Nussbäumen.

01-2Um 1900 entstand auch am Brandensteiner Südhang eine im Laufe der nächsten Jahrzehnte immer intensiver betriebene Obstplantage, die neben Obstbäumen auch über reiche Bestände an Beerenobst verfügte. Es wurde vorwiegend arbeitsintensives Tafelobst produziert, was in den 60er Jahren dann aber aus Rentabilitätsgründen zur Stillegung der Anlage und der Rodung großer Bestände an Obstgehölzen führte. Allerdings blieben mehrere Hundert Obstbäume, meist Apfelbäume zur extensiven Nutzung als Streuobst stehen.

Schon über 20 Jahre gibt es einen naturreinen Projektapfelsaft von diesen und anderen wertvollen Beständen der Umgebung, der heute unter dem Namen „Brandensteiner Bio-Apfelsaft“ vermarktet wird. Der von Verbuschung bedrohte Obsthang wird vom örtlichen Schäfereibetrieb regelmäßig beweidet. Bäume und Hecken werden extensiv gepflegt, weite Bereiche sind auch ganz der natürlichen Entwicklung überlassen. Etwa 100 Jungbäume altbewährter Sorten sollen in Zukunft den Ertrag von Kelterobst sichern. Für Kinder wird im Herbst zur Apfelernte das Keltern von Apfelsaft mit altertümlichen Handgeräten angeboten.

Ziegenherde

ziegen-burg-brandenstein-1Seit 1997 gibt es wieder Ziegen auf der Burg, denn Verbuschung und beginnende Wiederbewaldung des oberen Südhanges drohten zunehmend auch diese letzte Seite der Burg hinter hohem Bewuchs verschwinden zu lassen. Um Gehölze zurückzudrängen eignen sich Ziegen optimal, da diese bevorzugt Blätter und Rinde von Gehölzen aufnehmen und in Kombination mit mechanischer Freistellung keinen solchen Aufwuchs mehr hochkommen lassen.

Seitdem lichten sich die Flächen unterhalb der Burg und eine Halbtrockenrasenvegetation breitet sich wieder aus. Heute leben 20 ausgewachsene Tiere und 18 Jungtiere an der Burg. Die ursprünglich braunen „bunten“ Deutschen Edelziegen entwickelten durch Einkreuzung eher schwarzer Thüringerwaldziegen und hell-cremefarbener Schweizer Saanenziegen eine abwechslungsreiche Palette von Farbschlägen von weiß, grau bis zu braun-schwarz. Nur in Einzelfällen werden Muttertiere gemolken, doch fällt alljährlich genügend hochwertige Milch für die Eigenversorgung mit Ziegenfrischkäse an. In Workshops wird das Wissen um die Ziegen sowie die Milchverarbeitung regelmäßig weitergegeben.

Flechtzäune

flechtzaunbau-burg-brandenstein-3Um die Tiere von den nahen Gärten fernzuhalten, wurden eine ganze Reihe von Flechtzäunen nach historischen Vorbildern erbaut, die regelmäßig gepflegt und nachgerüstet werden müssen. Die Gartensituationen erhalten durch das natürliche Material einen besonderen historischen Reiz.

Verwendet werden vor allem die einjährigen Ruten von Platanen, die beste Eigenschaften zum Verflechten haben. Alljährlich gibt es hierzu Seminare zum Bau solch individueller Zäune. Abgetragenes Zaunmaterial eignet sich besonders gut als Brennmaterial für den Lehmbackofen.

Staudengarten mit Duft-, Heil- und Gewürzpflanzen

Außerhalb der eigentlichen Burgmauern wurde wohl schon vor Jahrhunderten ein terrassierter Garten angelegt.Durch eine Pforte im Renaissancestil gelangt man vom Hof dorthin, die Türgewände zeigen ähnliche Formen, wie die im 16. Jahrhundert im Haupthaus verwendeten. Im Gegensatz zum eher schattigen Hof herrscht hier durch volle Sonnenbestrahlung und den Schutz der Mauern ein regelrechtes Weinbergsklima.

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Salbei am Froschbrunnen

Vorwiegend trockenheitstolerante Stauden geben dem in vier Terrassenstufen angelegten Garten einen eher mediterranen Charme. Im Frühjahr locken unzählige Blüten von Schwertlilien und Akeleien. Zwischen den Zierstauden wurden aromatische Nutzpflanzen gesetzt, wie die würzig-harzige Weinraute, aromatischer Gewürzfenchel, fruchtige Zitronen-Melisse, herbes Bergbohnenkaut sowie Salbei, Wermut und verschiedene Minzen.

Weitere altertümliche Nutzpflanzen sind etwa der Gute Heinrich, Färberwaid oder etwa dauerhafter Gemüseampfer und Etagenzwiebeln. Auch nutzbare Wildkräuter gedeihen in dem sehr extensiv gepflegten Areal, wie Giersch, Brennnessel oder Scharbockskraut.
Zu allen Gartenthemen werden nach Vereinbarung Führungen angeboten.

Bewässerung

13Am „Froschbrunnen“ darf gezielt überschüssiges Quellwasser überlaufen, um auch feuchtigkeitsliebende Pflanzen kultivieren zu können, hier gedeihen neben Hopfen etwa Bärlauch oder Beinwell. Die Hopfendolden werden teils auch zum Brauen des eigenen Burg-Bieres verwendet. In den 50er Jahren wurden von hier aus sogar Bewässerungsleitungen zum unterhalb liegenden Obsthang verlegt, die teilweise noch heute Wasser führen. Vom Brunnen führt auch eine aus Holz geschlagene Wasserrinne Quellwasser entlang der Mauer bis zu einer Wassertreppe um weitere bewässerte Bereiche zu erhalten.

Gemüse, Kräuter und Obst

Die ursprüngliche Nutzung zur Versorgung der Burgbewohner mit Gemüse und Kräutern ist im Laufe der Jahre immer mehr zurückgetreten, wobei aber immer noch einzelne Beete damit kultiviert werden.

Japan-Pflanzen

Auch haben – trotz des sehr kargen, kalkhaltigen Bodens – einige Gartengehölze den Weg in die Außenflächen der Burg gefunden, die ursprünglich aus Japan oder Ostasien stammen. Eine ganze Reihe davon hat Philipp Franz von Siebold selbst in Japan entdeckt und ab 1830 in Europa eingeführt. Hierzu zählen der Ranunkelstrauch (Kerria jap.), Forsythien, Weigelien, Spireen, Schlingknöterich, Blauregen, der dreispitzige Wilde Wein oder diverse Ahorne.

04-2Am Brunnen im Innenhof wächst die Hortensie „Otaksa“, die Siebold nach seiner japanischen Lebensgefährtin Otaki benannt hatte. Ohne die pflegende Hand des Gärtners wäre der Garten innerhalb weniger Jahre völlig von Brombeeren überwuchert, deren eigentlicher Platz sich aber nur entlang der Mauer der großen Scheune befindet. Einige selbst gezogene Weinbergspfirsichbäume gedeihen und fruchten hier auch sehr gut.

Kübelpflanzen

37461020Im mit Basaltsteinen gepflasterten, geschützten Innenhof werden den Sommer über zahlreiche vorwiegend mediterrane Pflanzen in Kübeln aufgestellt. Neben Blütenpflanzen wie Oleander und Rosen gibt es weitere Duft- und Gewürzpflanzen zu entdecken. Es gedeihen Rosmarin, Zahn-Lavendel, Zitronenverbene und Duftgeranien sowie die monatelang blau blühende Perovskie. Zu finden sind auch Zypressen, Mönchspfeffer, Granatapfelstrauch sowie eine große Bananenstaude.
Die Kübelpflanzen strukturieren und schmücken die Bereiche vor den Wohnungen der Burgbewohner und dienen auch zur schnellen Versorgung mit Würz- und Teekräutern.

Terra preta-Projekt

Seit Frühjahr 2010 wird in Teilen der Gärten mit sogenannter Terra preta experimentiert.

Dieser künstlich erzeugte Boden wurde vor Jahrhunderten von Indianern im Amazonastiefland erfunden. Die so entstandenen schwarzen Böden überzeugen noch heute durch ihre dauerhafte Fruchtbarkeit. Hierzu wird der Kompost bei der Rotte mit einem Anteil von Holzkohlestaub von einem Kohlenmeiler im Spessart versetzt. Durch die enorme innere Oberfläche der nicht verrottbaren Kohle werden große Mengen an pflanzenverfügbaren Nährstoffen gebunden und vor Auswaschung gesichert sowie besonders stabile Kompoststrukturen gebildet. Hierdurch kann der Gehalt an organischem Material im Boden stark erhöht werden.

Besonders die stark kalkhaltigen Böden des Burgberges setzen die Nährstoffe aus Kompost ansonsten viel zu schnell durch nahezu vollständige Mineralisierung frei. So sollen zukünftig Wasserhaltefähigkeit und Fruchtbarkeit der Böden gesteigert und der Pflegeaufwand gleichzeitig gemindert werden.