Burg Brandenstein

Burg Brandenstein, 36381 Schlüchtern - Tel. 06661 3888 oder info@burg-brandenstein.de

- Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 10. September - Mehr hier...

Burggeschichte

burggeschichte-burg-brandenstein-1Die Anfänge der mittelalterlichen Burganlage liegen – wie so oft – im Dunkeln. Wahrscheinlich wurde der schon vom Weidevieh der Elmer Bauern entwaldete Burgberg zwischen Anfang des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts mit der kleinen Burganlage besetzt. Der kahle Bergsporn aus Muschelkalk bot einen guten Ausblick bis über das Kinzigtal, sogar der Bergfried von Steinau war zu sehen.

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Burg von Süden um 1870

 

 

 

Erstmals wird 1278 ein Hermann von Brandenstein genannt, dessen Geschlecht sich nach der Burg benannte. Aber schon 1316 gelangen die Herren von Hanau in den Besitz des Lehens Brandenstein. Lehnsherr war der Bischof von Würzburg, der die Burg vielleicht sogar selbst als militärischen Sicherungsposten zum Schutze des Klosters Schlüchtern und seiner weitläufigen Besitzungen errichten ließ.

Ab 1375 führte Ulrich VI. von Hanau größere Bauarbeiten an der Burg durch, gab aber einen Großteil seiner Rechte an der Burg gegen eine Anleihe an den Abt des Schlüchterner Klosters weiter. Unruhige Fehdezeiten erschütterten auch das Schlüchterner Land, das Kloster war auf dem Höhepunkt seiner Machtentfaltung angelangt. Burg und Kloster wurden weiter ausgebaut.

1424 wurde das Lehen Brandenstein an Herrn Mangold von Eberstein übergeben und die Burg wurde Zentrum des Brandensteiner Gerichtes, das für die Ortschaften Elm, Gundhelm, Hutten und Oberkalbach zuständig war.

Im Jahre 1519 flüchtete sich eine Nürnberger Kaufmannswitwe Namens Agathe Odheimer in den Schutz des Burgherrn Mangold II. von Eberstein, der von nun an in deren Name eine Fehde gegen die Reichsstadt Nürnberg führte. Die Stadt gründete ihren Reichtum auf rege handwerkliche und vor allem kaufmännische Aktivitäten, die Nürnberger Bürger in allen Landen herumreisen ließen. So konnte von Eberstein recht erfolgreich immer wieder Nürnberger ausspähen und festsetzen. Unter Androhung und Anwendung von Folter blieben die Gefangenen auf dem Brandenstein und anderen befreundeten Burgen und kamen erst gegen Zahlung hoher Lösegelder wieder frei. 1522 wurde der Reichshauptmann Graf Georg von Wertheim beauftragt die Burg zu belagern und einzunehmen sowie Mangold von Eberstein gefangen zu nehmen. Die Burg wurde tatsächlich belagert, beschossen und schließlich teilweise zerstört.

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Unterschrift Mangolds von Eberstein

Ritter Mangold gelang aber die Flucht. Vielleicht nährt diese Flucht bis heute noch die Gerüchte von mehreren Geheimgängen in und unter der Burg, von denen noch keiner entdeckt werden konnte. Die “Brandensteiner Fehde” soll die am besten dokumentierte Fehde der frühen Neuzeit sein, denn alle Unterlagen, Protokolle, Lösegeldquittungen, Gerichtsbescheide usw. haben sich bis heute erhalten.

Eine Verwandte Mangolds II. von Eberstein Ottilie war übrigens Mutter des berühmten Ritters und Humanisten Ulrich von Hutten, der 1488 auf der benachbarten Burg Steckelberg geboren wurde.

Mitte des 16. Jahrhunderts bauten die seit 1429 in den Reichsgrafenstand erhobenen Herren von Hanau die wohl verfallene Anlage wieder auf, allerdings eher als ländliches Renaissanceschloss denn als wehrhafte Burg. Nur noch wenig Attribute erinnern an diese alten Zeiten: Weitgehend wurden wohl die Grundmauern sowie diverse Umfassungsmauern und die Zugbrücke zur inneren Burganlage beibehalten, es wurden aber auch Schießscharten zugemauert, Wehranlagen abgebrochen, Fenster und Außenwände gesetzt… Die Tür des Treppenturmes am Hauptbau der Burg trägt die Jahreszahl 1562, auch die erhaltenen Vorhangbogenfenster weisen stilistisch diese Zeit. Im Großen und Ganzen hat sich die Burganlage seitdem nicht mehr sehr verändert.

Glücklicherweise verschonten die Wirren des 30jährigen Krieges die Burg, so dass ihr ein Schicksal wie das der nahen Burg Schwarzenfels erspart blieb, deren Hauptburg in diesen Zeiten einem verheerenden Brand zum Opfer fiel.

1736 starb das Hanauer Grafengeschlecht mit Johann Reinhardt aus und deren Besitzungen gingen an die Landgrafschaft von Hessen-Kassel über. Mit den umfassenden Neuerungen des 19. Jahrhunderts wurde 1831 auch die Gerichtsbarkeit des Brandensteiner Gerichtes an das neu geschaffene Justizamt Schlüchtern abgegeben. Die Burg wurde Staatsdomäne und an Pächter zur Bewirtschaftung verpachtet. Im Verlauf des deutschen Krieges paktierte Kurhessen mit Österreich und nach deren Niederlage annektierte Preußen auch die Burg und deren zugehörigen Besitzungen. 1876 wurde die Domäne aufgelöst und verkauft. Einer der Gründe war die Zerstückelung der Besitzungen durch den Bau der Eisenbahnlinie vom Schlüchtern-Elmer Dreieck nach Gemünden am Main, die ab 1868 unweit der Burg entlangführt.

Kurzfristige Besitzer waren ab 1878 Graf Heinrich zu Stolberg-Wernigerode und ab 1887 der später in den Freiherrnstand erhobene Reinhard von Scheffer-Boyadel, der erhebliche Baumaßnahmen an der Burg durchführen ließ. Der spitze Turmhelm, der Dachstuhl des Haupthauses, der Pferdestall im Torhaus, der heute das Holzgerätemuseum beherbergt sowie die Mauer entlang der Auffahrt zu Burg wurden nach seinen Vorstellungen errichtet oder umgebaut.

1888 verfügte er auch die Aufforstung großer Teile des bis dahin unbewaldeten Burgberges. Heute steht die Burg – nun von drei Seiten von dichtem Laubwald ummantelt – ganz versteckt auf dem Burgberg; einzig die Südseite blieb größtenteils vom Waldaufwuchs verschont. Hier zeigen sich Reste der früher intensiv bewirtschafteten “Brandensteiner Südhangobst” – Anlage als artenreiche Streuobstwiese. Das frühere Tafelobst wird heute für die Produktion des exklusiven Brandensteiner Bioapfelsaftes genutzt. Ansätzen zunehmender Verbuschung und Wiederbewaldung wird mit Pflegemaßnahmen und der Beweidung mit einer eigenen Ziegenherde entgegengewirkt.

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General Gustav von Brandenstein und Gemahlin Mathilde

Im Jahre 1895 ergab sich der glückliche Zufall, dass ein württembergischer Offizier namens Gustav von Brandenstein die Burg mit gleichem Namen käuflich erwerben konnte. Seit 1306 saß niemand mehr mit diesem Namen auf der gleichnamigen Burg. Die Anlage wurde sogleich als Familiensitz renoviert und hergerichtet, so dass im März 1896 der Einzug erfolgen konnte.

Ehefrau Mathilde von Brandenstein war die Tochter des Würzburger Mediziners und Japanforschers Phillip Franz von Siebold, der durch seine Tätigkeiten in Japan unzählige Einzelheiten über das Mitte des 19. Jahrhunderts hierzulande noch unbekannte Japan der europäischen Öffentlichkeit zugänglich machen konnte. Im Gegenzug hatte er vielen Japanern westliche Wissenschaftsmethoden nahe gebracht, so dass der Name Siebold in Japan noch heute in ganz besonderen Ehren gehalten wird.

Eine neu eingerichtete Sammlung zeigt persönliche Gegenstände, Originalaufzeichnungen und Mitbringsel aus Japan von Phillip Franz von Siebold.

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Ferdinand Graf Zeppelin, Gemahlin, Schwiegersohn und Tochter

Heute prächtige Bäume und Sträucher wurden im Burgareal gepflanzt und die Obstanlage am Südhang eingerichtet. 1905 – nach dem Tod beider Eltern – musste Sohn Alexander von Brandenstein – Zeppelin die Bewirtschaftung der Burg übernehmen.

Er heiratete 1909 Hella Gräfin von Zeppelin, die einzige Tochter des legendären Grafen Ferdinand von Zeppelin. Bei der Hochzeit wurde er von König Wilhelm II. von Württemberg in den Grafenstand erhoben und der bis heute gültige Familienname von Brandenstein-Zeppelin eingeführt.

Mit dem Telefonanschluss 1913 hält so langsam die neuzeitliche Zivilisation Einzug auf der Burg. Erst 1932 folgte dann die Elektrifizierung der Burg, vorwiegend für Beleuchtung und Betrieb der Wasserpumpe benötigt. Im Dezember 1967 starb Hella Gräfin von Brandenstein-Zeppelin und deren Tochter Isa übernahm die Burg in Erbengemeinschaft mit ihren zwei Schwestern. Inzwischen war die einst so berühmte Obstanlage aus mangelnder Rentabilität schon nahezu stillgelegt worden und Ostern 1970 wurde das Holzgerätemuseum im alten Pferdestall im Torhaus eingerichtet.

burggeschichte-burg-brandenstein-6Seither haben Tausende von Besuchern vor allem das Museum besucht, in dem bei kundiger Führung wieder vielfältige Aspekte früheren Lebens lebendig werden. Über 800 hölzerne Gegenstände – von der handgeschnitzten Wäscheklammer bis zur Mehlsackausklopfmaschine – haben sich bis heute hier angesammelt. Seit einigen Jahren wird der Ausstellungsbereich auch mehr und mehr auf die allgemein zugängliche Hoffläche ausgeweitet.

Seit dem Jahre 1983 leben nun Ameli und Constantin von Brandenstein-Zeppelin auf der Burg und veranlassten in den vergangenen zwei Jahrzehnten so manche Erneuerungsarbeit und Veränderung. Im Torgebäude wurden im Erdgeschoss Büroräume und unterm Dach Platz für die Sammlung zum Leben und Wirken des Japanforschers Phillip Franz von Siebold geschaffen. Siebolds Tochter Mathilde kaufte 1895 zusammen mit ihrem Mann Gustav von Brandenstein die Burg.

Anhand der Exponate aus dem persönlichen Nachlass von Siebold ergeben sich bei einer Führung interessante wie amüsante Einblicke in die historische japanische Kultur sowie die aufkeimenden Beziehungen zwischen Japan und Europa, bei denen von Siebold und auch seine beiden Söhne sozusagen Pate standen.

Nachdem die Quellwasserversorgung der Burg mehrmals für längere Zeiten ausgefallen war und eine Notversorgung durch die Elmer Feuerwehr geleistet werden musste, wurde im Sommer 2005 ein Anschluss an das öffentliche Wassernetz der Stadt Schlüchtern gelegt. Weitere Ausbaumaßnahmen erfolgten 2009 als an der östlichen Rückfront ein Personenaufzug an einen bereits bestehenden Erker angebaut wurde. In Folge dieser Maßnahme wurde neben einer rückwärtigen Auffahrt auch der große Gewölbekeller des Haupthauses der Burg zu einem Festsaal umgestaltet.

Einen historischen Gebäudekomplex zeitgemäß nutzten zu können wird auch in Zukunft weitere Erhaltungs- und Ausbaumaßnahmen erfordern.